Unmensch

by Oravin

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mehr Stein als Mensch
mehr Kraut als Tier
mehr Sonne als Pflanze

credits

released November 3, 2012

recorded : October 2012 at Neureetz : Oderaue
organ for #6 recorded in August 2012 at Studio Vuori : Helsinki
text : sound : Oravin
mixed at Studio Maresch : Berlin
cover photo : Kosmo : Tierbach

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Oravin Leoben, Austria

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Track Name: als das Gift dein Hirn berührte
als das Gift dein Hirn berührte
ging die Welt in Flammen auf
und alles was gebaut war fiel
und alles was verhüllt war
zeigte sich dir nackt
und deine Augen schlossen sich
die Lider waren dünn geworden
so dünn wie Pauspapier
und die Welt stach durch die Lider durch
die Blätter rannen die Stämme herab
die Sterne ballten sich zu Klumpen
und der Himmel zuckte
und Vögel flogen am Himmel
schwarze Vögel der Nacht
und als du mir in meine Augen schautest
löste sich die Haut von meinem Fleisch
und du sahst das Lächeln in meinen Augen
während die Lippen verfaulten
ich öffnete den Mund
und mir entfuhr ein Falkenschrei
das war deine Apokalypse
das war dein Untergang
und nun beginnen die Gedanken
und zerren dich herab
das ist deine Apokalypse
das ist dein Untergang

gib mir deine Hand
ich helf dir auf
ich habe dir ein Zelt gebaut
um dich vor der Nacht zu schützen
komm mit mir
die Nacht ist lang
ich will sie neben dir verbringen
Track Name: gib mir noch Zeit
gib mir noch Zeit die Netze zu zerreißen
gib mir noch Zeit
ich setze Schritt vor Schritt am dünnen Seil
und meine Augen sind geschlossen
und alle Augen sind auf mich gerichtet
und alle erwarten meinen Fall
alle Augen sind auf mich gerichtet
und erwarten meinen Fall
dein Auge ist auf mich gerichtet
ich will nicht fallen
Track Name: ich erinner mich an deine Flüsse
ich erinner mich an deine Flüsse
an deine Wasserfälle
ich erinner mich an dein Meer
an dein Tal in dem die Vögel wohnen
ich erinner mich an deine Füße
an Füße die tasten
Schritt für Schritt über nackten Fels
ich erinner mich an Vögel
verborgen in deinem Mund
an Vögel die sich zeigen im Gesang
ich erinner mich an ein Lied auf deiner Zunge
ich erinner mich an dein Lied
an deine Flüsse
deine Wasserfälle
ich erinner mich an dein Meer
ein Lied auf deiner Zunge
Track Name: ein kalter Gott
ein kalter Gott blitzt im Gebüsch und starrt mich an
ein kalter Gott singt in den Vögeln
ein kalter Gott formt Wolken über mir
ein kalter Gott formt Gesichter
Gesichter die mir viel bedeuten
und doch nicht mehr sind als gekerbtes Fleisch
ein kalter Gott schnarrt in den Büschen
brummt in der Erde
wuselt im Gras
und er ist überall
auch in diesen Worten
auch in meinem Hirn
und denkt

und in meiner Stirn pocht ein Wesen das sprechen will
das hinauswill aus dem Gebein
es klopft an an der Welt und niemand öffnet
es klopft und hämmert und brüllt in meiner Stirn
es klopft an an der Welt und niemand öffnet
es klopft und hämmert und brüllt
und die Welt bleibt verschlossen
Track Name: auf den Klippen
vor Millionen Jahren springt ein Huftier zurück ins Meer
und taucht und schwimmt und gleitet
und die Beine verwandeln sich zu Flossen
und der Leib wird glatt
wie ein Fisch
wie ein Boot
und es steigt nach oben
durch dunkles Wasser
durch helles Wasser
nach oben
zum Atem
zur Luft

in Millionen Jahren steht der Unmensch auf den Klippen
und spürt das Meer mit einem fremden Sinn
er steht auf den Klippen und liest den Wind
und er springt von den Klippen hinein in den Wind
er springt und steigt nach oben
durch dichte Luft
durch dünne Luft
trägt ihn der Wind
zur Sonne

: dies ist die Erfüllung der Prophezeihung des Dædalus
: und seines Sohnes Icarus
Track Name: und so beginne ich zu denken
ganz rauschig bin ich von der Luft
und von dem Wasser das über meine Lippen rinnt
und ich gehe fort
ich gehe über gemähte Felder
über gedüngte Felder
den Gestank in der Nase
und ich gehe und schaue auf den Himmel
der weit ist und sich streckt
und den die Wolken füllen
ich komm zu einem Baum
und die Blätter zittern im Wind
so wie mein Haar zittert im Wind
und so wie die Ohren pfeifen im Wind
im Baum versteckt sich ein Specht und klopft
und will sich mir nicht zeigen
und etwas ist in diesem Himmel
das ich nicht sehn will
das ich nicht verstehe
und das mich weitertreibt
etwas das mich weitertreibt
wie ein Wind den man nicht spürt
den man nicht hört
ein Wind den man denkt vielleicht
und so beginne ich zu denken
und während ich denke flackert die Landschaft um mich
denn auch sie wird
auch sie verwandelt sich
und ist nur scheinbar da
so wie sie ist
und wäre ich weiter im Süden
wo ich herkomme
wo ich war
würde ich vielleicht einen Berg sehn
der die Landschaft beruhigt
aber auch er ist nur langsam
nicht still
auch die Berge fließen langsam
als Steinmeer
auch sie sind nur kurz da
das denke ich
das sehe ich nicht
und dennoch flackert die Landschaft
ein Vogel fliegt vorbei
vielleicht der Specht
aber er ist so schnell vorbei
ich kann nicht sicher sein

und etwas in mir singt
ja da schwillt ein Gesang
schwillt langsam an
und wird lauter und lauter
bis er die Gedanken übertönt
ein wortloser Gesang
der alles andere verdrängt
und der durch meinen Schädel
durch meine Poren dringt
als wär da nichts
der sich verstreut in der Landschaft
und sich mit ihr vereint
und auch die Landschaft singt
in mir wie ich in ihr
im Chor
in diesem Augenblick
so wie sie ist
so wie ich bin
da wo ich bin
da wo sie ist
wird gesungen

der Gesang schwillt immer weiter
und breitet sich aus